Homöopathie- Aufstellung

Was macht gute HomöopathInnen aus? Sicher haben sie die homöopathischen Arzneimittelbilder und ihre vielfältigen Symptome und Heilwirkungen sorgfältig studiert. Sie haben langjährige Erfahrungen gesammelt, um Beschwerden zu erkennen und ihnen eine Therapie zuordnen zu können. Aber um sich wirklich in den Menschen einzufühlen, der vor einem sitzt, um umfassend zu verstehen, welches Heilmittel ihm und seiner Gesundung dient, brauchen sie zusätzlich eins: Intuition.

Intuition ist lernbar, fanden die ärztin Dr. Dorothea von Stumpfeldt und die Psychologin Christine Schulze. Aus Methoden der Familienaufstellung und anderer therapeutischer Wege entwickelten sie einen ergänzenden Lehrgang zum Homöopathie-Unterricht; und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis ihre "Homöopathische Mittelaufstellung" in vielen Heilpraktikerschulen Anwendung findet. Heute Abend steht auf dem Lehrplan ihres Kurses für Homöopathen und interessierte Laien exemplarisch der Typus Silicea.

"Ich habe mein Bestes gegeben, aber ob es gereicht hat, weiß ich nicht", sagt eine schlanke Frau mit theatralisch-leidender Geste.
"Ja, genau, das ist eine ganz typische Aussage", ruft jemand begeistert. "Genau das ist Silicea."
Wir befinden uns bereits mitten in der "Aufstellung", wie es die beiden Leiterinnen angelehnt an die Familienaufstellung nennen. Der Abend begann mit einer Phantasiereise in das kühle Reich der Kieselsäure. Anhand innerer Bilder entdeckten wir die Erkennungsmerkmale von Silicea neu und fanden eigene Assoziationen, Farben und Gefühle für sie. Ausgehend von diesen subjektiven Wahrnehmungen wurde zunächst das theoretische Wissen über die Merkmale und Symptome des Silicea-Typus besprochen. In einem Brainstorming wählten wir dann einige Merkmale aus:
"Feingeistig" zu sein, gehört zum Beispiel zu den Charaktereigenschaften der Silicea-Persönlichkeit, sie ist "präzise" in ihren Gedanken, "friert leicht", hat eine durchscheinende, fast "gläserne Haut", aber auch "übelriechende Ausscheidungen" wie Fuß- und Achselschweiß.

Als Start für die eigentliche Aufstellung zogen wir ein Los und damit ein Symptom, das wir repräsentieren werden. Eine junge Frau stellt die zentrale Person, den Silicea-Typus, dar, um sie herum gruppieren sich ihre Symptome. Und diese Symptome oder Eigenschaften, repräsentiert durch uns TeilnehmerInnen, finden ihren Platz im Raum, ihre Position zueinander, die uns stimmig erscheint, und bilden nach und nach eine Art von Ordnung.

Wir sind aufgefordert, allein unserem Körpergefühl, unserer Wahrnehmung und der entstehenden Intuition zu folgen - nicht etwa dem, was wir von dem jeweiligen Element erwarten! Wir werden sehr bald Zeuge jener aufregenden Erfahrung, die der Familienaufstellung zugrunde liegt: Wir schlüpfen in das Energiefeld des Systems, agieren und empfinden als Stellvertreter eines Elementes. Wir nehmen nicht mehr nur eigene, individuelle Gefühle und Eindrücke wahr, sondern auch die des Gesamtfeldes, das einem jeden System zugrunde liegt. Denn das ist die Entdeckung der Homöopathischen Mittelaufstellung:
Ebenso wie eine Familie kann auch ein homöopathisches Arzneimittelbild als System betrachtet werden. Die einzelnen Merkmale stehen in ganz bestimmter Ordnung zueinander und streben immer nach der ihr eigenen Harmonie.

Vor uns und mit uns entfaltet sich das Drama des Silicea-Typus:
Zunächst wird die Person befragt, und hier fällt die Aussage, die vorhin als so typisch bezeichnet wurde: "Ich habe mein Bestes gegeben, aber ob es gereicht hat, weiß ich nicht." Sehr schnell entsteht ein Geflecht aus Beziehungen: Der Mann, der die "übelriechende Ausscheidung" repräsentiert, verzieht sich ans andere Ende des Raumes; die "gläserne Haut" wähnt sich über den Dingen stehend; die "Präzision" versucht zu verstehen und zu vermitteln; das "Frösteln" bleibt der Person nahe, wie um ihr beizustehen. Diese fühlt sich unwohl und verängstigt; sie kann sich nicht entscheiden, weiß nicht, was sie tun soll, fühlt sich zu schwach, um überhaupt aufstehen zu können. Solange die Person so wenig eigene Kraft hat, fühlt sich die gläserne Haut verantwortlich für das Ganze und kann ihre eigentliche Aufgabe nicht wahrnehmen. Das System strebt auseinander und ist in Disharmonie. Christine Schulze befragt unermüdlich die einzelnen Elemente nach ihrer Wahrnehmung und ihrem Befinden, ihren Gefühlen und ihrem Verhältnis zu den anderen Elementen. Lange sieht es so aus, als seien sie unversöhnlich: Mißtrauisch beäugen, ja bekämpfen sich die Körper- und Charaktereigenschaften des Silicea-Typus. ängstlich klammert sich die Person an ihr "Frösteln". Kühl und belehrend gibt die "Gläserne Haut" ihre Ratschläge. Frech und aggressiv bringt die "übelriechende Ausscheidung" ihre Angriffe vor.

Schließlich ist es der umsichtigen und unermüdlichen Vermittlungstätigkeit der "Präzision" zu verdanken, dass letztendlich Harmonie einkehrt: Begleitet und beschützt von ihren körperlichen Symptomen, unterstützt von der geistigen Kraft der Präzision, findet die Person ihre Sicherheit, und die "gläserne Haut" kann ihre eigentliche Aufgabe wahrnehmen: die feingeistige, fast musikalische Wahrnehmung der Schönheit. Am Ende hat jedes Element seinen Platz gefunden, an dem es seine positiven Eigenschaften entfalten kann; denn auch das wird den TeilnehmerInnen klar: kein Merkmal, kein Symptom ist nur negativ, jedes hat seinen Sinn und seine positiven, ja notwendigen Aspekte für den Gesamtmenschen.

"Mir ist bei dieser Aufstellung von innen heraus klar geworden, wie dieser Typ funktioniert", sagt die Stellvertreterin des Fröstelns, die selbst schon jahrelang Homöopathie praktiziert, bei der anschließenden Auswertung. "Dabei war Silicea mir immer völlig fremd."

Die Darstellerin der gläsernen Haut äußert sich ähnlich. Sie ist keine Homöopathin, sondern hat sich für die Teilnahme an diesem Abend entschieden, um sich vor einer eigenen Behandlung tiefer als nur durch Schulbuch-Wissen zu informieren.

"Keine Aufstellung ist wie die andere", erklärt Christine Schulze. "In einer anderen Situation hätte der Ablauf ganz anders aussehen können. Was aber bei aller Unterschiedlichkeit gleich bleibt, ist die innere Gesetzmäßigkeit jedes speziellen Arzneimittelbildes, das Energiefeld; und das lernen wir durch diese Beschäftigung von innen heraus kennen."

Als wir dies erkannt hatten, war die Tür zu weiteren Anwendungen der Homöopathie in Aufstellungen geöffnet. Homöpatische Mittel wirken in die Prozesse der Aufstellung hinein. Dafür müsse sie ebenso wenig materiell vorhanden sein, wie Angehörige beim Familienstellen.

Hier möchten wir überleiten zu einer anderen Art der Aufstellung und Homöopathieanwendung:
Während einer Aufstellung bekommt Christine Schulze, die sonst selbst leitet, doch diesmal als Stellvertreterin für einen Großvater steht, einen echten Gichtanfall mit allen medizinisch klassischen Zeichen: Sie bekommt heftigste, nicht zu ertragende Schmerzen im Mittelfuß, dazu Hitze und Rötung und eine Schwellung des Fußes. Sie kann nicht mehr stehen und kann vor Schmerzen nur noch weinen.

Die anwesende Homöopathin Ute Röber gibt Christine Schulze das geeignete Mittel imaginär. Es sind einige Globuli in einer C 1000 Potenz. Diese Globuli helfen Christine Schulze nicht wirklich gegen die Schmerzen, doch sie wird ruhiger und gelassener. Sie kann den Schmerz jetzt besser ertragen und sie kann sich jetzt mit Distanz betrachten.

Wenige Minuten später folgt die nächste Gabe Globuli in C1000. Es ist ein anderes Mittel, dessen Namen Ute Röber wieder nicht kennt, doch deren Energie sie als stimmig und jetzt richtig spürt. Oh Wunder, die Gichtpatientin und zugleich Stellvertreterin des Großvaters beginnt sich wahrzunehmen und ihren Zorn und ihre Zerstörung zu spüren, die sie bisher nach außen richten wollte, aber gegen ihr eigenes Gewebe lenkte. So entstand die Gicht.

Die Gefühle Zorn und Zerstörung wurden wieder gespürt und die Kraft, die Lebenskraft, die damit einher geht. Lebendigkeit begann sich im Großvater auszubreiten.
Die Stellvertreterin (der Großvater), weiß nun, dass weitere Hochpotenzen nicht helfen werden. Den Kräften von Zorn und Zerstörung muss jetzt mit Sanftmut begegnet werden. "Du musst mir etwas Leichtes geben, etwas, das meine Zerstörungskraft lächeln lässt." sagt der Großvater. Es folgen Globuli in Niederigpotenz, zwei verschiedene Substanzen und langsam wird der Fuß blasser, weniger schmerzhaft, schwillt ab und nach einer Weile kann die Stellvertreterin wieder auftreten. Diese letzten zwei Mittel nimmt sie noch wenige Male später auf ihrem Nachhauseweg. Zuhause angekommen ist der Schmerz weg.
Der reale Großvater litt stark an Gicht. Seit dieser Aufstellung ist bei ihm kein Gichtanfall mehr aufgetreten.

In diesem Artikel wurden bewusst zwei verschiedene Ansätze beschrieben.
Im zweiten Teil wurde eine homöopathische Behandlung während einer Aufstellung beschrieben und nicht die weiteren Umstände der Aufstellung, da dies den Rahmen des Artikels gesprengt hätte. Nur kurz: der Großvater war eine Person einer Familie, die gestellt waren. Seine innere Blockierung ließ sich nicht lösen. Bei ihm wurden Zorn und Zerstörungswut erst durch die Homöopathie sichtbar und fühlbar. Seine Nachkommen müssen diese Wahrheit nun nicht mehr unterdrücken und mit tragen durch eigene Symptome, eigenes Schweigen. Mit der wieder gewonnenen Lebendigkeit können die Nachfahren ihre eigene Lebendigkeit leben. Hier hat die Homöopathie einen Vorfahren geheilt und mit ihm die Nachfahren. Durch beide Arten der Erfahrung mit Homöopathieaufstellungen entdecken wir Neues und erweitern das Feld.
Oder wussten Sie, dass durch C1000 Potenzen sie sich selbst sehen können und dass sie sich mit Niedrigpotenzen mit einem Lächeln begegnen?

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