Was ist spirituelle Medizin ?

Ein Beitrag zur Selbstheilungsdiskussion
von Dr. Dorothea von Stumpfeldt, Berlin

Arbeitsergebnisse vom 2. Juni 1999

Was ist spirituelle Medizin?
Was bedeutet Krankheit?
Wie definiert spirituelle Medizin Krankheit?

Krankheit als Geschenk.
Spirituelle Medizin versteht Krankheit als Geschenk. Geschenk im Sinne eines wesentlichen Aspektes der vielfältigen Bedeutungsmuster von Krankheit. Geschenk im Sinne einer Erfahrung, die sinnhaft ist und den Dialog mit dem Inneren des Körpers eröffnet. Eine Gabe der Bereicherung, Ausdehnung und Wahrhaftigkeit. Die Zurückweisung des Geschenkes befördert die Möglichkeit zur weiteren Entfaltung der Krankheit.

Selbstverleugnung und Erkenntnis.
Krankheit bildet das Zentrum in der Polarität zwischen Selbstverleugnung und Erkenntnis. Der Boden auf dem sie steht, ist Heilung. Ist ein Prozeß des Weitergehens und der Hingabe, die zur Selbstermächtigung führen. Zu einer Macht, die das Selbst im Angesicht der Krankheit vorfindet. Eine Macht, die in ihrer Kraft höhere Kräfte enthüllt. Krankheit als Geschenk offenbart Reichtum als eine Dimension der Grenzenlosigkeit und der immerwährend nachfließenden Quelle. Die in der Krankheit entfesselte Kraft eröffnet den Raum des Unerklärlichen. Jenseits des Bisherigen und jenseits eines wirksamen Vorstellungsvermögens, bricht sich das Wunder Bahn und führt zu einer neuen Schau, einer anderen Betrachtungsweise der ereignishaften Dinge.

Der Dialogpartner.
Die Krankheit stellt einen Kontakt her zwischen der Person und der Botschaft, die sich in der Krankheit ausdrückt. Sie bietet sich an, Begleiter zu sein. Sie lädt den Kranken ein, sein individuelles Refugium zu verlassen. Sie lädt ein zu einem Dialog. Die erste Botschaft, die sie übermitteln will, ist die Einladung zur Kommunikation.

Wahrnehmung kennt nur Ja.
Eindringlich und kompromißlos formuliert die Krankheit das Ja zur Wahrnehmung. Hier verbindet sie sich mit dem der Schöpfung immanenten Prinzip der steten Veränderung und Transformation. Die Wahrnehmung ist somit Teil eines höheren Prinzips, jenseits von Angst und Schmerz. Die Wahrheit ist souverän. Sie löst sich aus Raum und Zeit, ist pur, fließend und stets veränderlich.

Das Geschenk des Gastes.
Der Gast ist würdevoll und weiß um seine Rechte. Auch um seine Pflichten. Er ist wohlwollend, bescheiden und entschlossen in seinem Dasein. Im Raum und im System. Die Krankheit löst ein Signal aus. Die Präsenz der Krankheit macht den Urklang hörbar. Wir erfahren uns als Wesen. Hören die Musik des Körpers. Die Präsenz selbst erinnert an die Befreiung. An die Hingabe. An die Antwort. An die Verheißung der Hilfe. An die Gnade. An Heilung und Entwicklung.

Das hoheitliche Gefühl.
Die Krankheit vermittelt uns den Kontakt zu unseren tiefsten Gefühlen. Die Gefühle erheben sich zu voller Würde. Und sie trachten nach Würdigung. Sie gebieten Abstand, um sich zu voller Größe aufrichten zu können. Sind sie vollständig und majestätisch, zeigen sie uns, dies genau haben sie benötigt. Haben sie benötigt, um die Bedürftigkeit zu überwinden. Jetzt in ihrer Größe entfaltet, laden sie uns ein, ihre Hallen zu betreten. Standesgemäß sind die Gefühle eng mit den Aufgaben der Entscheidung verbunden. Erinnern uns an die alles durchdringende Kraft der Entscheidung. Zeigen uns, wie sehr wir Neigungen folgen, uns in Krankheit und Schmerz zurückzuziehen. In der Krankheit zu schweigen und zu dulden. Zu verschweigen, daß wir Wesen der Entscheidung sind.

Krankheit und Resignation.
Lautlos ruft sie das Nein. Bejaht die Auflösung. Das Vergehen. Drängt und fleht. Resigniert und besteht auf dem Leben. Die Krankheit ist der Dämon der Isolation. Warum ich, schreit sie und läßt sich von dem aus der Leere zurückfedernden Echo erneut quälen. Nährt sich in der Abkapselung. Sie fordert unnachgiebig Befreiung. Und verweigert beständig den Kontakt zur Botschaft und zur schlichten Kompromißlosigkeit der Wahrhaftigkeit.

Die Grenze der Erträglichkeit.
An der Grenze, gezeichnet von der schieren Unerträglichkeit, sagt die Krankheit: Macht mit mir, was ihr wollt. Sie findet Bereitschaft. Für den Dialog zwischen Körper und Gefühl. Gefühl und Gedanken. Gedanken und Geist. "Jetzt hilft nichts Menschliches mehr" (Jesus im Scheol), klammert sie sich an die Schöpfung. Sehnsüchtig ruft sie den Tod oder die Verwandlung in das Leben. Jetzt gilt alles oder nichts. Alle menschliche Weisheit ist am Ende. Sie erinnert uns an das Wort am Anfang.

Krankheit als Geschenk.
Sie lehrt uns Prinzipien des Annehmens.
Des Danksagens.
Lehrt uns, den Schritt in die Transformation zu wagen.

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