Bibelaufstellungen - Genesis 1 + 2

Inhaltsverzeichnis:
über die Bibelaufstellungen
Einleitung
Genesis 1
Genesis 2

über die Bibelaufstellungen

Im Dezember 2002 und im Januar 2003 fanden in der Friedensgemeinde in Berlin Charlottenburg zwei "Bibelaufstellungen" statt. Die Idee, die Bibel in das von Dr. Dorothea v. Stumpfeldt und Christine Schulze erdachte Konzept der Aufstellungen thematisch mit einzubeziehen, ist in Zusammenarbeit mit der Pastorin Viola Kennert zur Umsetzung gekommen. Die Bibelaufstellungen sind vom Prinzip der "Stellvertreter" identisch mit den ebenfalls von Christine Schulze und Dorothea v. Stumpfeldt konzeptionierten Krankheits-, Homöopathie-, und Familienaufstellungen. Um nur einige zu nennen.

Bei jedem speziellen Aufstellungsthema findet eine Zusammenarbeit mit hierfür gut ausgebildeten "Fachleuten" statt, die bei den Aufstellungen anwesend sind, die Aufstellungsabende mit anleiten und begleiten. So ist z. B. bei Homöopathieaufstellungen eine Homöopathin und während der Bibelaufstellungen die bereits erwähnte Pastorin Viola Kennert begleitend dabei.

Es soll an dieser Stelle betont werden, dass es sich hierbei nicht um Aufstellungen handelt, die identisch mit den, oder in Anlehnung an die Aufstellungen eines Bert Hellinger ablaufen. Auch wenn man Bert Hellinger wohl als den "Urvater" der Familienaufstellungen und des Aufstellungsprinzips bezeichnen kann. Seit der ursprünglichen Idee der Aufstellungen als "Fenster zum Unbewußten" und der "morphoenergetischen Gesetzmäßigkeiten" in der menschlichen Existenzebene, wurden Familienaufstellungen auf vielfältige Weise modifiziert, verfeinert, näher ans "göttliche" Bewußtseinsprinzip gerückt und konzeptionell "offener" gestaltet. Damit war der Raum geschaffen für ein weites Experimentierfeld in dem Bewußtsein, dass praktisch jede Begrifflichkeit, jeder Aspekt und jeder Zusammenhang unserer irdischen Existenz mit dem Mittel der Aufstellungsarbeit tiefgehend betrachtet, beantwortet und unserem Verständnis zugeführt werden kann Aufstellungen als Frequenzkanal für die Antworten auf unsere dringlichsten Fragen... Die Aufstellungsarbeit durchläuft einen evolutionären Prozess, der erst im Anfang begriffen ist und für die Zukunft noch manches Erlebnis- und Antwortpotential in sich birgt, auf das man wirklich gespannt sein darf Aufstellungen sind mittlerweile zu einem wichtigen Instrumentarium in der Diagnose- und Therapiearbeit in einer von Traumata geprägten menschlichen Gesellschaft geworden. Frauen wie Dorothea v. Stumpfeldt und Christine Schulze, die mit Pioniergeist und Sachverstand Neuland zu fruchtbarem Boden für essentielle Arbeit an den Wirrungen der menschlichen Existenz und des menschlichen Bewußtseins machten, haben wir es zu verdanken, dass neue Wege für viele von uns begehbar sind.
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Einleitung

Thema der hier beschriebenen Bibelaufstellungen ist der Text des 1. Buches Mose - die Genesis 1. und 2. Kapitel. Gemeint ist der Beginn der irdisch menschlichen Dramen: die Vertreibung Adam und Evas aus dem Paradies und die Tötung Abels durch seinen Bruder Kain, den Söhnen Adams und Evas.
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Genesis 1

Nachdem sich die Anwesenden im großen Kreis sitzend gegenseitig vorgestellt haben, erläutert Frau Dr. v. Stumpfeldt kurz die Prinzipien und Vorgehensweisen der Bibelaufstellung und der Aufstellungsarbeit. Einen kurzen Einblick in das folgende Geschehen zu bekommen, ist für jene hilfreich, die bis dahin nur über Aufstellungen gelesen, davon gehört haben oder - was auch vorkommt - einfach einem Impuls oder ihrer Neugier gefolgt sind und noch keinerlei Berührungspunkte mit dieser Thematik hatten. Gelegentlich spürbare Nervosität vor dem "Unbekannten" wird dadurch weitgehend gemildert oder gänzlich genommen.

Die beiden ersten Kapitel der Genesis werden von einer Pastorin vorgelesen. Anschließend werden in einem gemeinsamen Gespräch die einzelnen Aspekte, Symbolismen und Handlungsebenen des Textes genauer erläutert, ohne sich jedoch in endlose philosophische Deutungen zu verlieren.

Aufgestellt werden:
ein Aspekt Gottes (im folgenden Gott genannt), Adam, Eva, der Baum der Erkenntnis, die Schlange, zwei Bäume des Lebens und der Cherubim (ein Erzengel).
Acht Protagonisten stehen jetzt im Raum und haben die "nach ihrem Gefühl" richtige Position auf dem Feld des biblischen Geschehens eingenommen.

Nun beginnt die Phase des "Einfühlens" der Stellvertreter in ihre übernommenen Rollen. Die morphogenetischen Felder können sich nun aufbauen und gewinnen meist schnell an Intensität. Das Gewahrsein dieser Energien kann wohl am ehesten mit einem "kollektiven Channeling" auf der Gefühlsebene verglichen werden, wobei eine gewisse Erfahrung als "Stellvertreter" von Vorteil ist. Bei wiederholter Arbeit mit morphogenetischen Feldern werden menschliche Energiemuster durchlässiger für energetische Ströme. Die "energetischen Informationen" können dann besser wahrgenommen und klarer bzw. intensiver zum Ausdruck gebracht werden. Dies gilt für energetische Lichtarbeit allgemein.
Dorothea v. Stumpfeldt, die diese Aufstellung begleitet, fragt nun jeden einzelnen wie es ihm geht und was er augenblicklich fühlt.

Eva z. B. hat zuerst etwas Schwierigkeiten mit der Beschreibung ihrer Gefühle. "Eine gespannte Erwartung" sei in ihr sagt sie. Es ginge ihr aber gut damit und sie fühle sich inmitten der anderen wohl, würde jedoch lieber etwas näher bei Adam stehen.

Adam scheint in dieser Phase der Aufstellung noch nicht so recht präsent zu sein. Er hat, anders als Eva, nicht sehr ausgeprägt das Gefühl, bei ihr stehen zu wollen. Es sieht so aus, als habe er noch keinen wirklichen Bezug zu der Gruppe und dem Geschehen.

Ganz anders der Baum der Erkenntnis; er empfindet die Präsens der Schlange sehr stark. "Eine Bedrohlichkeit und sehr unangenehme Energie geht von ihr aus" sagt er und er "fühlt sich sehr unwohl durch die Anwesenheit der Schlange."

Als Gott gefragt wird, lautet die Antwort, er schaue sich diese ganze Sache erst einmal nur an und habe sonst im Moment nichts weiter zu sagen.

Die Schlange hingegen sucht die Nähe zu Eva. Sie strebt auf Eva zu, die nicht weit von ihr steht. "Der Apfel schmeckt gut, und er wird euch die Wahrheit zeigen. Ihr habt das Recht die Wahrheit zu wissen" sagt sie. "Warum soll nur Gott sehend sein? Ihr sollt auch sehen, ihr seid von Gott."

Eva meint, sie wisse nicht so Recht, was diese Schlange eigentlich von ihr wolle. Sie hätte eher das Gefühl, nur Mittel zum Zweck zu sein. Dass es der Schlange gar nicht so sehr um sie oder die Menschen ginge, sondern darum, Gott persönlich eine Niederlage beizubringen; ambivalente Gefühle bei Eva.

Die Schlange sitzt nun vor ihr auf dem Boden. "Ich mag dich" sagt sie zu Eva. "Du kannst mir vertrauen."

Eva äußert, dass sie fast so etwas wie Mitleid empfände. Da sei auch Verletztheit zu spüren.

"Ich brauche dein Mitleid nicht" erwidert die Schlange nun gereizt und steht auf. Der Ausdruck der Schlange wird intensiver und agressiver. "Ich bin die Macht, ich habe die Macht und ich werde die Welt beherrschen. Ich werde über Gott siegen und alles zerstören. Ich werde über die Welt herrschen, und ihr alle werdet meine Macht zu spüren bekommen" äußert sie wiederholt und ereifert sich voller Zorn, der jetzt unübersehbar aus ihr herausbricht.
Die Schlange dominiert das Geschehen nun völlig.

Der Baum der Erkenntnis ergreift das Wort. Es erfülle ihn mit Traurigkeit, dass die Schlange sich dem Guten so verschließe, obwohl sie doch soviel von ihm bekommen und lernen könne. Er fände es unmöglich, wie sie sich hier gebärde.

Eva fällt mit ein. Es sei nur allzu offensichtlich, dass hinter dem ganzen aggressiven Gehabe, Schmerz und Schwäche verborgen werde.

"Ich bin schon viel länger hier als du" erwidert die Schlange. "Ich brauche mir so etwas nicht anzuhören, denn ich habe hier die Macht. "Du bist nur ein Mensch, und es ist mir egal was du sagst".
Die Schlange, die in ständiger Bewegung ist, sitzt nun wieder am Boden und trägt störrische Gelassenheit zur Schau.

Einer der zwei Bäume des Lebens ergreift das Wort. "Gott hat die Macht hier, und auch du bist von Gott geschaffen worden, da kannst du soviel reden wie du willst".

Der Baum der Erkenntnis und nun auch Adam stimmen mit ein.

Die Schlange gerät langsam in die Defensive, bleibt aber trotzig am Boden sitzen. "Ich habe viel Zeit. Wo ist Gott? Könnt ihr ihn sehen? Nein, denn er läßt euch allein! Ich aber bin hier bei euch und ich lebe ewig. Darum habe ich viel Zeit und ich werde irgendwann über die Welt herrschen. Ich werde über Gott siegen!"

Bei jedem Vertreter der einzelnen Aspekte werden im Zusammenhang mit den differenten Rollen, individuelle emotionale Energien sichtbar. So stehen z.B. impulsiver Mitteilsamkeit und körperlicher Bewegungsdynamik der Schlange - im selben Moment - relativ ruhiges Verweilen des Cherubims, den Bäumen des Lebens oder auch Gottes gegenüber. Emotionale und somit auch inhaltliche Gewichtungen können sehr schnell wechseln und haben eine nie vorhersehbare Dynamik. Aufstellungen sind niemals statisch, sondern ein Kristallisationsprozess mit eigenen energetischen Gesetzmäßigkeiten. Oft wechseln die Protagonisten aus sich heraus ihre Position innerhalb des Aufstellungsfeldes. Sie fühlen sich mal zu einer Situation oder einem Aspekt hingezogen oder wollen Raum zwischen sich und bestimmten Personen bzw. Situationen bringen, so entstehen oft ganz "unbewußt" Achsen, in denen sich die Akteure gradlinig gegenüberstehen und anhand derer sich ebenfalls Bezugsebenen abzeichnen können. Diese Achsen können einen trennenden, negativ besetzten Aspekt beinhalten als auch für eine positiv besetzte, also bejahende Verbindung, stehen. Beides kann sich im Laufe des Geschehens wiederum ändern.
Das Ziel und die grundlegenden Prinzipien einer jeden Aufstellung sind das Anschauen und Erkennen, die anschließende Versöhnung und Vergebung sowie das Annehmen und Loslassen in Liebe.

Kehren wir nun zurück zur Bibelaufstellung:

Gott, der sich bis zu diesem Zeitpunkt fast gänzlich im Hintergrund hielt, ergreift nun das Wort. "Du hattest immer die Wahl" sagt er zur Schlange. "Es stimmt, ich gab dir die Macht, aber du hast sie missbraucht. Ich fühle Traurigkeit und tiefes Bedauern über das, was zwischen uns ist."

Dorothea v. Stumpfeldt, die während der ganzen Aufstellung begleitet, das heißt Fragen nach dem Empfinden der Akteure stellt, Anregungen gibt, die Positionen zu verändern, wendet sich mit der Frage an die am Boden sitzende Schlange, ob es bei ihr denn keinerlei Bedauern über das Zerwürfnis mit Gott gäbe.

Ein wenig Bedauern sei schon da, antwortet die Schlange nach kurzem Zögern. "Irgendwie mag ich ihn ja. Da ist auch etwas Vertrautes".

"Du bist ein Teil von mir" sagt Gott nun "und ich habe dich geschaffen. Durch dein Machtstreben hast du dich aber von mir abgewendet. Du hast es nicht verstanden, die Macht, die ich dir gab, zum Guten zu verwenden".

"Es ist deine Schuld" fällt ihm die Schlange ins Wort. Sie geht auf Gott zu. Bleibt vor ihm stehen, gleichermaßen angreifend wie verletzt wirkend.
"Du hast mir die Macht gegeben und hast mich dann doch nicht das machen lassen, was ich für richtig hielt! Du hattest kein Vertrauen zu mir und deiner eigenen Schöpfung. Ich wollte die Menschen einfach machen lassen, denn ich hatte das Vertrauen, dass sie das Richtige machen würden. Du aber mußtest alles reglementieren und kontrollieren. Du hast mich im Stich gelassen! Du bist derjenige, der sich von mir abgewandt hat als ich dich gebraucht habe!"

"Es tut mir leid, daß du es so empfindest" erwidert Gott "aber es ging nicht anders. Ich vergebe dir, wenn du dich besinnst. Noch kannst du umkehren und dich wieder dem Guten zuwenden, doch dir fehlt die nötige Demut".

Die Schlange erwidert, "ich kann keine Demut empfinden. Ich weiß nicht, was Demut ist. Du hast mir keine Demut gegeben, Gott."

"Du hättest sie dir nehmen müssen" entgegnet Gott.

Schlange: "Nein, du hättest sie mir geben müssen. Woher sollte ich wissen, dass ich Demut brauche?"

"Du hättest es wissen können, denn du bist ein Teil von mir" wendet Gott erneut ein.

Schlange: "Ich habe keine Lust mehr mit dir zu streiten. Ich fühle Schmerz und Trauer. Ich mußte wohl durch all den Zorn hindurch gehen, um ihn loslassen zu können. Ich möchte jetzt weggehen, ich muß allein sein."
Die Schlange entfernt sich von Gott, geht raus aus dem Aufstellungsfeld, an eine Wand des Raumes.

Ein kurzer Moment gespannter Ruhe herrscht, in dem auch Ergriffenheit aller Beteiligten über das eben Erlebte zu spüren ist. Etwas hat sich verändert. Nahezu jeder im Raum hatte in diesem Moment das Gefühl, Zeuge von etwas beinahe Unglaublichem geworden zu sein. Die Schlange als ein Symbol des Bösen, des Dunklen, hatte ihren Absolutheitsanspruch aufgegeben. Aus dem mächtigen, Gott entgegen stehenden dunklen Element der Dualität war ein Wesen der Selbsterkenntnis geworden, das Gefühle wie Trauer und Schmerz zum Ausdruck gebracht und nun einen stillen Rückzug angetreten hatte.
Mitleid für dieses verwirrte, verletzte und entwurzelte Geschöpf sind im Raum zu spüren.

Der Baum der Erkenntnis unterbricht das Schweigen. "Jetzt fühle ich, dass die Schlange bereit ist, von mir etwas anzunehmen, sich mit mir zu verbinden. Ich fühle auch nicht mehr dieses körperliche Unbehagen durch die Anwesenheit der Schlange". Er bittet die Schlange, zu ihm zu kommen.

Die Schlange, immer noch am äußersten Rand des Geschehens stehend, erwidert "Ich will jetzt gar nichts mehr. Ich fühle mich sehr traurig und verloren."

"Ich sehe dich, deinen Schmerz und deine Trauer, und ich respektiere dich" sagt der Baum der Erkenntnis nun zur Schlange gewandt. "Wenn du bereit bist, zu mir zu kommen, werde ich dir Liebe und die Erkenntnisse geben, damit du deine Bestimmung wiederfinden und deine Trauer verlassen kannst."

Während der Dialoge, die die Schlange mit Gott und dem Baum der Erkenntnis führte, war die Schlange das einzige die Position verändernde Element innerhalb der Aufstellung. Als sie sich nun auf den Baum der Erkenntnis zu bewegt, kommt auch insgesamt mehr Bewegung in das Aufstellungsfeld.

Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf Adam, der beinahe überraschend das Wort ergreift, nachdem von ihm während des bisherigen Geschehens kaum etwas zu bemerken war.
"Ich fühle mich jetzt zu meiner Frau, zu Eva hingezogen, und vermisse die Nähe zu ihr. Ich würde gerne bei ihr sein, ihr in die Augen schauen."

Auch Eva hat jetzt mehr den Wunsch, Adam nahe zu sein.

Es scheint, als würden beide nun erst entdecken, dass sie zueinander gehören. Mit der Läuterung der Schlange scheint sich auch bei Adam und Eva ein trennender Aspekt gelöst zu haben. Beide gehen aufeinander zu, halten sich an den Händen und werden sich ihrer gewahr.

Auch hier erteilt die Aufstellungsleiterin die Aufforderung, sich das gegenseitige Sehen und den Respekt füreinander auszusprechen.
Die neu erwachte Verbundenheit zwischen Adam und Eva im Läuterungsmoment der Schlange ist ein gutes Beispiel für hintergründig wirkende morphogenetische Zusammenhänge, die bei Aufstellungen häufig auf überraschende Weise sichtbar werden.
Die Schlange, als Verkörperung des Bösen, verhinderte ein liebevolles und respektvolles Miteinander Adams und Evas, da sie sich einzig und allein auf Eva konzentrierte und mit ihrer machtvollen Aura wie ein trennendes Energieschild zwischen den beiden wirkte. Solange die Verbindung zwischen Schlange und Eva von der Dominanz des negativen Prinzips geprägt war, also der Sündenfall noch ungeklärt im Raum stand, hatte auch das göttliche Prinzip der Liebe und des Vertrauens keinen Raum, sich zu artikulieren.

Gott bittet nun den Cherubim, der während der Aufstellung ein stilles Dasein am Rand des Aufstellungsfeldes verbracht hatte, zu ihm zu kommen. Beide stellen sich Hand in Hand rechts neben den Baum der Erkenntnis, während links von ihm die Schlange steht, die mittlerweile still und bis jetzt unbemerkt die linke Hand des Baumes ergriffen hat; ein Zeichen besonderer Verbundenheit und eine weitere kleine überraschung an diesem Abend.

Der Baum der Erkenntnis wendet sich nun an Adam und Eva, die vor ihm stehen. " Ich möchte, dass ihr beide noch einen Schritt näher kommt und mich fühlt." Beide treten einen Schritt näher und stehen ihm nun gegenüber.
Der Baum der Erkenntnis möchte gefühlt werden. Erkennen über fühlen (z.B. die Trauer der Schlange) und nicht erkennen über Essen eines Apfels.

Nach einem Moment des Innehaltens ergreift Eva das Wort: "Ich fühle mich an einem Scheideweg. Das Verlangen danach, den Apfel zu nehmen, um die Erkenntnis zu erlangen oder ein unbewußtes, aber zufriedenes Leben mit Adam zu führen, bringt mich in Zwiespalt. Die Versuchung den Apfel zu nehmen, ist allerdings ziemlich groß. Auch zieht es mich zu den Bäumen des Lebens."

Der Cherubim hält nun mahnend einen Arm zwischen Eva und den Baum der Erkenntnis, als diese anstalten macht, nach dem Apfel zu greifen. "überlege gut die Folgen deines Tuns" mahnt der Cherubim sie;

Eva ist unschlüssig. "Ich habe mich entschieden" sagt sie. "Ich möchte mit Adam leben. Ich entscheide mich für ein friedvolles Leben mit ihm." Sie schaut Adam liebevoll und als Vergewisserung seiner Zustimmung an.

"Ich würde mit Eva jetzt gern zu den Bäumen des Ewigen Lebens gehen," spricht nun Adam. "Es zieht mich dorthin."

"Das kann ich nicht befürworten" wendet Gott sich nun an ihn. "Das ewige Leben ist nicht für euch vorgesehen, denn ihr lebt in euren Nachkommen weiter, so, wie es eure Bestimmung ist."

"Wir empfinden auch nicht den Wunsch, dass ihr bei uns seid." äußern sich die beiden Bäume des Lebens nun beinahe synchron. "Es fühlt sich nicht richtig an."

Eva ist nun die Erleichterung anzumerken, dass eine klare Entscheidung gefallen ist. Sie bedankt sich bei Gott, dem Cherubim und dem Baum der Erkenntnis für deren weise und liebevolle Entscheidungshilfe.

In der Aufstellung kam es nicht zum biblisch beschriebenen Sündenfall. Der Apfel blieb am Baum und die Schlange hatte im Zwiegespräch mit Gott und durch den starken Einfluß des Baums der Erkenntnis eine Läuterung erfahren.

Die Leiterin der Bibelaufstellung, Dorothea v. Stumpfeldt, dankt allen Stellvertretern für ihre Mitwirkung und bittet alle Anwesenden erneut in einem Kreis Platz zu nehmen. In diesem Kreis kann jeder noch einmal über die für ihn beeindruckendsten Erlebnisse und über entstandene Gefühle sprechen. Es werden Zusammenhänge erneut und aus einem anderem Blickwinkel betrachtet und ein Resümee gezogen.

Wir danken der Aufstellungsleiterin und allen Protagonisten für deren Engagement und der kraftvollen Darstellung in dieser Aufstellung.


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Genesis 2

Aufgestellt werden:
Adam und Eva, Kain und die Landwirtschaft, Abel und die Tiere/Herde, die Liebe, die Sünde, die Rivalität, die Anerkennung, ein Aspekt Gottes, der Fluch, ein übergeordnetes Element.

Kain und Abel stammten von Eltern ab, die mit der Last einer Sünde lebten. Die negative Energie dieser Sünde zeigte in den Emotionalkörpern Kains und Abels als vererbtes emotions-energetisches Element ihre Auswirkung. Zudem waren Adam und Eva aufgrund dieser Sünde mit einem von Gott ausgesprochenen Fluch belegt, der ebenfalls ein belastendes emotions-energetisches Potential in sich barg. Das Leben der Brüder war schon seit ihrer Geburt dadurch beeinflusst.

Kain, Abel und Eva bilden mit dem Aspekt der Tiere gleich am Anfang der Aufstellung eine dicht beieinander stehende Gruppe. Auch die Landwirtschaft als Tätigkeitsfeld fühlt sich zu Kain hingezogen, bleibt aber etwas abseits der Gruppe, weil Kain diese Zugehörigkeit nicht erwidert sondern zum Ausdruck bringt, dass er seinem Beruf mit großer Abneigung gegenübersteht.

Kain empfindet Traurigkeit, die sich noch steigert, als Abel, von der Aufstellungsleiterin nach seinem Befinden gefragt, antwortet, "ich fühle mich hier, so dicht bei Eva, sehr gut" sagt er. "Auch dass mein Beruf hinter mir steht, fühlt sich gut an." Abel kann sich im Gegensatz zu Kain mit seinem Beruf identifizieren.

Als Eva nach ihrem Gefühl in der Gruppe befragt wird, sagt sie, sie fühle sich zu der Liebe hingezogen, die ihr gegenüber auf der anderen Seite des Aufstellungsfeldes steht. "Ich fühle mich ziemlich allein und mit der ganzen Situation in der Familie etwas überfordert. Ich spüre, dass mir die Liebe fehlt, dass mir die Unterstützung durch meinen Mann Adam fehlt."

Die Liebe erwidert, "Ich empfinde Verbundenheit mit jedem Einzelnen der Familie. Ich fühle, dass ich gebraucht werde, aber jetzt noch nicht wirklich Teil dieser Familie bin."

Adam, der seinen Bezug zur Liebe dadurch zum Ausdruck gebracht hat, dass er sich gleich zu Beginn der Aufstellung dicht neben die Liebe gestellt hat, ist zu diesem Zeitpunkt wenig präsent und äußert, dass er nicht das Gefühl empfindet zu dieser geschlossenen Gruppe und zu seiner Familie zu gehören.

Ganz anders die Sünde, der es offenbar sehr gut geht. Sie bewegt sich sehr dynamisch auf dem Feld. Dreht sich beschwingt um sich selbst und sprüht förmlich vor Energie.

Als die Frage nach dem Empfinden an die Anerkennung gerichtet wird, äußert diese, dass ihr kalt sei. "Ich fühle heftige Kälte an meinen Beinen hochsteigen. Ich fühle mich überhaupt nicht wohl hier" sagt sie.

Als die Rivalität an die Reihe kommt, weiß diese zu berichten, dass sie sich zu der ihr gegenüberstehenden Gruppe um Eva sehr hingezogen fühlt.

Das bis jetzt unbestimmte, übergeordnete Element ergreift das Wort. "Ich fühle Einvernehmen mit der Sünde, aber auch viel Verantwortung bei dem ganzen Geschehen." Das Verantwortungsgefühl bei diesem Element steigert sich dann deutlich spürbar, als Gott, der bis dahin wie alle anderen gestanden hat, sich auf die Stufen eines Podestes setzt und sich offenbar damit ein Stück aus dem Spannungsfeld des Geschehens herausnimmt.

Nun steht eine Frau aus der Reihe der Zuschauer auf und meldet sich zu Wort. "Ich habe das Gefühl," sagt sie "ich müßte das Element eines Fluches darstellen. Ich weiß zwar noch nicht genau warum, aber ich habe das Gefühl, ein Fluch gehört hier noch mit rein." Der Fluch stellt sich hinter die Rivalität und ist nun Teil des Geschehens. Von der Aufstellungsleiterin ergeht jetzt die Anregung an die Protagonisten, mal auf dem Feld zu bewegen und die Position zu verändern. Daraufhin findet eine teilweise Veränderung auf dem Aufstellungsfeld statt.

Die Liebe stellt sich zwischen Kain, der sich aus der Gruppe gelöst hat, und Eva.
Die Sünde bildet mit Adam, Eva, Abel und dem Berufsaspekt Tiere eine neue kompakte Gruppe. Adam steht Abel nahe gegenüber.

Nun ergreift Adam zu Abel gewandt das Wort: "Ich spreche dir meine Anerkennung und meine Achtung aus. Es tut mir leid, dass alles so gekommen ist und ich empfinde Trauer darüber."

"Ich brauche dein Mitgefühl nicht" entgegnet ihm Abel. "Ich fühle mich stärker als du. Ich bin hier der Beschützer und du bist schwach. Ich habe keine Achtung vor dir, und ich empfinde keine Liebe für dich. Du warst nie wirklich für uns da. Wir brauchen dich nicht. Ich jedenfalls nicht."

Eva bestätigt im nächsten Moment, dass sie sich auch nicht an eine tragende Rolle Adams in der Familie erinnern kann. Sie sagt, sie habe sich schon immer ziemlich allein gefühlt mit all den Problemen.

Abel ergreift nun erneut das Wort, zeigt auf Gott und sagt, "mit ihm habe ich Probleme. Irgendwie macht er mich unsicher. Ich habe das Gefühl als wenn ich Gott gegenüber in irgendeiner Schuld stehe und von ihm bewertet werde."

"Gott ist an allem schuld" fällt die Sünde in Abels Worte ein. "Er hat zugelassen, was mit euch passiert ist. Ihr seid Opfer seines Fluches."

Adam: "Ich habe ein ungutes Gefühl zu Kain" sagt er. "Ich kann auch nicht verstehen, warum er seinen Bruder erschlagen hat. Er hatte doch alles was er brauchte. Wir haben ihn doch mit all unserer Liebe großgezogen. Das verbindet mich mit Eva, obwohl ich jetzt zu ihr keinen Bezug fühle und keine Liebe empfinde."

"Ich habe das Empfinden, dass ich einerseits meinen Mann brauche, zu ihm möchte, aber dass uns etwas trennt; irgendetwas zwischen uns steht" versucht Eva den fehlenden Bezug zwischen ihnen beiden zu erklären.

Die Rivalität ergreift jetzt das Wort. "Ich möchte, dass die ganze Anordnung, die Position von Kain und Abel sich ändert und dass die Gruppe dort sich auflöst" und zeigt dabei auf die Gruppe um Abel und Eva.

Sofort geht die Sünde in Konfrontation mit der Rivalität und weist sie zurecht. "Das kannst du gar nicht. Du kannst hier nicht bestimmen wie etwas zu sein hat. Du hast gar nicht die Position dazu. Du kannst vielleicht Vorschläge machen wie etwas sein könnte, aber bestimmen kannst du gar nichts." Die Sünde wirkt nach wie vor wie der alles beherrschende Aspekt auf dem Feld des Geschehens.

Nun tritt der Fluch, der nahe bei der Rivalität steht, einen Schritt vor und ergreift das Wort. "Ich fühle mich sehr stark und machtvoll im Moment. Ich habe hier großen Einfluß, weil alle Menschen hier verflucht sind. Auf der ganzen Familie liegt ein Fluch."

An dieser Stelle wird erneut zum Ausdruck gebracht, was in dem 4. Kapitel des ersten Buchs Moses ein zentrales Thema zu sein scheint.
Das Leben einer Familie unter der Last eines göttlichen Fluchs.

Die Sünde gibt sich kryptisch und behauptet nun, dass Abel von seinem Bruder erschlagen worden ist, um eine andere große Versündigung zu verhindern und spielt damit auf eine fiktive inzestuöse Beziehung zwischen Abel und seiner Mutter Eva an.

Wenn man das Gebaren und die Aussagen Abels im Dialog mit seinem Vater aus diesem Blickwinkel betrachtet, scheint dies kein abwegiger Gedanke zu sein.

"Ich fühle mich mit Eva und Abel sehr verbunden, und ich hege eine große Zuneigung zu euch beiden" sagt die Sünde nun an Eva und Abel gewandt. "Auch wenn Abel nicht mehr unter den Lebenden weilt, fühle ich mich sehr zu euch hingezogen."

Adam findet auch an diesem Punkt des Geschehens erst wieder Beachtung, als Abel erneut seiner Verachtung für ihn Ausdruck verleiht.

In diesem Moment tritt die Liebe in den Vordergrund und bietet sich als heilsame Energie, als Vermittlerin und Schlüssel zur Verbundenheit an.
"Die Sünde hat hier zu große Macht und auch der Fluch hat zu viel Raum" sagt sie. "Ich möchte, dass ihr Menschen euch mehr für mich öffnet und mich seht."

"Ich kann dich nicht fühlen; ich habe keinen Anschluß an meine Familie, und ich fühle einfach keine Liebe zwischen uns," erwidert Adam ihr daraufhin.

Die Sünde erscheint derweil beinahe fröhlich und bewegt sich weiterhin, von den Energien der ganzen Situation getragen, sehr dominant auf dem Aufstellungsfeld.

Kain bringt nun seine ihm deutlich anzusehende Bedrückung zum Ausdruck. "Ich fühle mich hier überhaupt nicht wahrgenommen. Ich habe das Gefühl, ganz allein zu sein, und ich fühle mich von allen vollkommen ungeliebt. Die Unzufriedenheit in meinem Leben und meine wahren Wünsche und Fähigkeiten z. B. in meinem Beruf sind von niemandem in meiner Familie gesehen und anerkannt worden."

Die Aufstellungsleiterin fordert die Liebe nun auf, auf Kain zuzugehen; ihn darin zu unterstützen, die Liebe zu sich und den Glauben an sich wieder zu finden.

Die Liebe geht zu Kain und legt ihre Hände auf seine Schultern. "Ich sehe deinen Schmerz, aber ich bin schon immer für dich da gewesen," sagt sie zu ihm. "Ich habe dich trotz deiner Tat auch nie verlassen."

Beide stehen einen Moment in Stille beieinander.
Betroffenheit ist jetzt sowohl bei den Zuschauern als auch bei den meisten Protagonisten spürbar.

"Ich kann dich nicht annehmen. Etwas in mir hat große Angst davor sich mit dir einzulassen" sagt Kain nach kurzer Zeit zu der Liebe. "Ich habe Angst, dich und alles, was ich mag, wieder zu verlieren." Kains enorme seelische Verletztheit ist unübersehbar.
"Ich hätte gerne die Liebe meines Vaters, denn im tiefsten meines Innern liebe ich ihn von allen am meisten" sagt er dann.

Als Adam sich jedoch zu Kain begeben will, lehnt dieser ein Zusammenkommen mit seinem Vater ab.

Kain: "Ich kann dir keine Liebe entgegenbringen, auch wenn ich es gerne möchte. Ich bin sehr verletzt und wurde auch von dir in der Vergangenheit missachtet. Ich kann an deine Liebe nicht glauben. Außerdem fühle ich mich von allen zum Sündenbock gemacht. Ich hätte anstelle meines Bruders sterben sollen."

Dr. v. Stumpfeldt geht zu Kain und spricht mit ihm.
"Ich sehe dich und ich achte dich und deine Bedürfnisse. Es ist nicht deine Schuld, denn du trägst eine zu große Last."

"Doch, es ist meine Schuld. Ich habe meinen Bruder umgebracht. Jetzt bin ich ein Brudermörder und habe großes Leid über meine Familie gebracht," entgegnet ihr Kain daraufhin. Kain ist ein gebeugtes Wesen.

"Du hast schon lange meine Last getragen" sagt nun Adam zu seinem Sohn. "Du hast die Last meines Fluches übernommen, weil ich zu schwach war, diese schwere Last zu tragen. Es tut mir sehr leid."

Dorothea v. Stumpfeldt ergreift nun wieder das Wort. "Gehe zu ihm und versöhne dich mit deinem Vater, und gib ihm zurück, was du für ihn trägst."

"Ich kann nicht" erwidert Kain. "Ich fühle mich sehr schwach und kann mich nicht bewegen."

Er wird von Dr. Dorothea Stumpfeldt und der Sünde in die Mitte genommen. Beide stützen ihn. "Wir begleiten dich gern dorthin."

Nach zwei gemeinsamen Schritten interveniert Abel. Ich kann das, was gerade passiert nicht gutheißen. Ich möchte nicht, dass Kain zu Adam geführt wird, wenn er es nicht aus eigener Kraft schaffen kann!"

"Er hat recht," stimmt Kain mit ein.
"Wenn ich es nicht aus eigener Kraft schaffen kann und der Impuls in mir nicht genügend stark ist, ist es wohl noch nicht an der Zeit, diese Versöhnung zu vollziehen." Kain bleibt, wo er ist.

"Ich liebe dich mein älterer Bruder," sagt Abel nun zu Kain.

"Ich liebe dich auch," erwidert Kain. "Ich kann nicht verstehen wieso dies alles passieren mußte, und ich leide sehr darunter."

Kain und Abel haben plötzlich eine gefühlvolle Verständnisebene miteinander; bringen ihre Liebe und Solidarität füreinander zum Ausdruck. Es wird auch nur allzu offensichtlich, dass Kain nicht der kaltberechnende Mörder ist, für den man ihn anhand des Bibeltextes halten könnte.

Bei Zuschauern und Darstellern herrscht gleichermaßen Gespanntheit und Mitgefühl beim Betrachten der Geschehnisse.

Als Kain seinen Bruder darum bittet, ihm zu verzeihen, erwidert dieser: "Ich kann dir nicht verzeihen, weil es für mich nichts zu verzeihen gibt. Ich muß dich um Verzeihung bitten, weil ich nicht gesehen habe, unter welch großer Last du gelebt hast und wie unglücklich du warst. Wir beide sind Teil eines Fluchs, der auf unseren Eltern und somit auch unserer Familie lastet. Mein Tod war wohl ein notwendiges Opfer, und vielleicht wollte ich sogar, dass es so kommt. Ich verstehe die Zusammenhänge nicht, aber es tut mir sehr leid, dass du viel stärker darunter leidest als ich."

"Vielleicht ist das fehlende Glück in meinem Leben das Opfer, das ich zu erbringen habe," sagt Kain "denn ich werde die Last dieser Schuld den Rest meines Lebens mit mir tragen."

Kain und Abel können ihre Bestimmung in diesem biblischen Drama nicht verstehen.

Jetzt ergreift Eva das Wort. Sie sagt, sie fühle sich sehr einsam und habe das Gefühl, keinen Mann und keine Söhne mehr zu haben.

Die Sünde empfindet Verbundenheit mit ihr und gesellt sich zu ihr, um ihr das Gefühl der Einsamkeit zu nehmen.

"Das reicht mir nicht" sagt Eva daraufhin. "Deine Gegenwart ist kein Ersatz für meine Familie und kann der Einsamkeit, die ich jetzt fühle, nichts entgegensetzen."

Evas Einsamkeit ist Ausdruck dafür, dass ihre besondere Beziehung zu Abel einer intensiveren und liebevolleren Verbundenheit zwischen den beiden Brüdern gewichen ist und auch für jene Zerrissenheit, die innerhalb dieser Familie zu sehen ist.

Der Fluch tritt hervor und spiegelt noch einmal Kains Rolle in dem ganzen Geschehen wider. Er geht zu Kain, der immer noch sehr bedrückt am Rand des Aufstellungsfeldes steht. Kain scheint mir in dem ganzen Geschehen mehr Opfer als Täter zu sein und ich finde, er sollte vor Gott treten und ihn um Vergebung bitten."

"Gott sollte ihm vergeben." fällt die Sünde mit ein "denn sein Fluch ist die Ursache allen übels in dieser Familie."

Dass die meisten Akteure diesen Vorschlag bejahen, gibt Kain das nötige Quentchen Hoffnung, quer über das Aufstellungsfeld zu gehen und vor Gott zu treten.

Zum ersten Mal spricht Gott jetzt, nachdem ihn Kain um Vergebung und um Verzeihung gebeten hat. "Ich kann dir keine Vergebung gewähren. Du hast eine große Sünde begangen. Selbst wenn ich den Tod deines Bruders und auch dein Unglück über deine Tat, als Opfer sehen würde, so wäre mir das Opfer Abels doch lieber als das deinige. Das Opfer von deinem Bruder war von Hingabe geprägt. Das von dir dagegen von Konkurrenz und Neid. Niemand hat dich gezwungen so zu handeln. Es war allein deine Entscheidung, geboren aus Missgunst und Eifersucht. Deshalb liegt auf Abel ein Segen und auf dir ein Fluch."

Kain bittet jetzt Gott um seinen Segen und um Vergebung.

"Du, Kain, bleibst am Leben, obwohl du das deines Bruders genommen und damit eine Todsünde begangen hast" erwidert ihm Gott darauf. "Ich habe bei dieser Entscheidung vieles berücksichtigt."

"Aber durch das Mal auf meiner Stirn bin ich vogelfrei" entgegnet ihm Kain. "Jeder kann mich töten Ich werde nirgends meines Lebens sicher sein!"

Das Mal, das ich dir gab, wird dein Leben schützen" erwidert Gott. "Dein Leben steht durch das Mal unter meinem Schutz, bis du eines Tages eines natürlichen Todes sterben wirst."

Die Sünde ergreift jetzt wieder das Wort. An Gott gewandt sagt sie, "du hast mit deinem Fluch, den du über Adam und Eva ausgesprochen hast, für eine Belastung der ganzen Familie gesorgt. Außerdem hatte Kain die viel schwerere Last in seinem Leben als Abel! Es ist ungerecht!"

"Es ist nicht meine Schuld, dass alles so gekommen ist" entgegnet Gott. Es war und ist eine Prüfung, die Adam und Eva tragen müssen und auch tragen können."

"Aber was können deren Söhne dafür?" fragt die Sünde daraufhin.

Die Sünde ist, wie auch die meisten anderen Stellvertreter, nicht zufrieden mit den Erklärungen Gottes. Es herrscht das Gefühl vor, dass eine wirklich nach zu vollziehende Erklärung noch nicht gegeben worden ist; dass noch etwas offen ist und unschlüssig bleibt.
Es herrscht eine intuitive Ahnung, dass Gott sich nicht wirklich erklären kann. Selbstgerecht handelt? Fehler macht ... ? Viele Fragen stehen in diesem Augenblick im Raum; formulieren sich mit großer Geschwindigkeit aus der Situation heraus.
Als der Stellvertreter Gottes sich nun durch eine kollektiv gewordene Flut von Fragen und Argumenten in arger Erklärungsnot sieht, begibt sich die Pastorin ebenfalls in die Stellvertreterrolle der göttlichen Präsenz; versucht zu erklären, was in diesem Moment nur schwer zu erklären ist. "Wir müssen einfach glauben," sagt sie "dass Gott, bei allem was er tut, das Beste für uns will. Auch, wenn wir Menschen es oft nicht verstehen."
Die Situation beruhigt sich daraufhin ein wenig. Zufriedenheit jedoch stellt sich, zumindest bei manch einem, nicht ein. Bei anderen hingegen stellt sich vielleicht das Gefühl der eigenen Vermessenheit ein.

Das übergeordnete Element, das die meiste Zeit neben Kain stand, sucht jetzt die Nähe zu Gott, fühlt sich mit ihm nun intensiver verbunden.

Die Anerkennung, deren Befinden mit dem Fortschreiten der Aufstellung zusehends schlechter wurde, äußert sich dahingehend, dass es ihr nun wieder besser ginge und sie das Gefühl habe, endlich wieder frei und ohne Druck auf der Brust atmen zu können. Ihr sei auch nicht mehr so kalt.

Kain wendet sich an die Rivalität, der es, entgegen der Anerkennung jetzt eher schlechter geht. "Ich möchte dir sagen, dass ich deine Anwesenheit während der ganzen Zeit würdige. Du warst sehr wichtig für meine Identität und mein Selbstverständnis. Ich danke dir dafür, aber ich brauche dich jetzt nicht mehr."

"Ich fühle mich jetzt nicht sehr gut und möchte deswegen trotzdem in deiner Nähe sein" erwidert sie ihm.

Kain ist offen für diese Nähe, weil er sich vollständig von der Rivalität gelöst hat.

Die Rivalität begibt sich an Kains Seite und fühlt sich dort sofort besser.

Jetzt ergreift die Liebe wieder das Wort und fordert Adam und Eva auf, nun endlich zueinander zu finden.

Eva und Adam gehen aufeinander zu und umarmen sich. "Ich möchte mich mit Eva zusammen bei meinen Söhnen entschuldigen" sagt Adam nun. "Wir waren der Grund für den Sündenfall in unserer Familie und haben unsere Schuld mit in das Leben unserer Söhne getragen."

Eva stimmt ihm zu.

Gott ergreift nun wieder das Wort. "Ich habe den Eindruck gewonnen, dass alle nur den guten Gott lieben, und dass nur jenes Gut-Sein bei den Menschen zählt, das sie verstehen."

Gott bleibt für die meisten Darsteller in dieser Aufstellung widersprüchlich. Das wird von einigen auch zum Ausdruck gebracht.

"Für mich bleibt Gott unerreichbar weit weg" sagt Adam zum Schluß. "Ich empfinde Ehrfurcht vor ihm, aber weder Vertrauen noch Liebe."

Aus der offenen Konstellation auf dem Feld der Aufstellung hat sich eine Kreisanordnung um die Liebe gebildet.
Es fällt auf, dass Gott als einziger relativ weit weg von den anderen Akteuren steht.

Das bis jetzt unbestimmte Element, erkennt am Ende der Aufstellung seine Bestimmung und bringt sie zum Ausdruck. "Ich habe während der Aufstellung den Schmerz von allen getragen. Das war meine Rolle."

Der Fluch fühlt sich jetzt vollkommen überflüssig und ohne jeglichen Bezug zum Geschehen.

Der Sünde bleibt das letzte Wort. "Ich fühle mich bei dieser Aufstellung als Sieger und weiß auch, ich hab nichts davon..."
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