Geschichten aus epa-begleitungen in der Geburtsvorbereitung

Innere Vorbereitung auf die Mutterrolle

Nele

Nele wird zum ersten Mal Mutter und hat so recht kein Gefühl, wie es sein wird, Mutter zu sein. Aber sie stellt sich das alles ganz einfach vor, füttern und Schlafen legen eben. So viel wird sich vermutlich aus ihrer Sicht nicht ändern, oder? Daher hat sie Lust, eine Reise zum Kind zu machen.

Neles Reise zu ihrem Kind beginnt an dem Strand, den sie auch aus der Phantasiereise bei dem Geburtsvorbereitungskurs kennt. Sofort sieht sie neben sich ihr Kind im weißen Sand liegen, aber sie bekommt keinen Kontakt zu ihm. Das Kind ist unruhig, schaut in der Gegend umher, als wäre Nele gar nicht da. Sie ist in großer Sorge, dass ihr Kind nicht mit ihr spricht, und fühlt sich völlig hilflos. Als sie die Hilflosigkeit anspricht, bekommt sie das Gefühl, dass ihr Kind wieder in ihrem Bauch sei.
Beide erleben gemeinsam die Geburt und dann liegt ihr neugeborenes Kind auf Neles Brust. Mutter und Kind genießen diesen Moment der tiefen Nähe sehr und Nele bleibt während der Reise gute 20 Minuten selig in diesem Zustand, ohne sich durch eine Kommunikation mit der Begleiterin ablenken zu lassen.
Am Ende berichtet sie, dass sie nun das tief verwurzelte Gefühl hat, ihrem Kind auch gerecht werden zu können, weil Sie in Verbindung mit ihm ist und spüren kann, was es braucht.

Diese Reise ist ein sehr ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, als Begleiterin den einzelnen Schritten ihre Zeit zu geben und die Prozesse in einer epa-Begleitung meist nur noch wenig Anregung über die Begleitung hinaus brauchen, wenn sie einmal in Gang gekommen sind. Der Prozess des Bindungsaufbaus konnte während dieser Reise in Ruhe statt finden. Darüber hinaus zeigt diese Begleitung etwas, dass sich in der Arbeit der Hebammen immer wieder bestätigt: Der ungestörte Kontakt und die Nähe zwischen Mutter und Kind direkt nach der Geburt und in den Stunden und Tagen danach sind elementar wichtig für den Bindungsaufbau. Sie sollten unter allen Umständen ermöglicht werden – unabhängig von der Art der Geburt und der personellen Ausstattung des Krankenhauses.

Vorzeitige Wehen

Gabriele

Gabriele ist 35 Jahre alt und in der 34. Schwangerschaftswoche. Sie hatte bereits drei Fehlgeburten in den letzten vier Jahren; zwei in der achten Woche und eine im siebten Monat. Die vorzeitigen Wehen begannen in der 24.
Schwangerschaftswoche, und sie lag deswegen drei Wochen im Krankenhaus. Dort wurde sie mit wehenhemmenden Mitteln behandelt, was die Anzahl und Stärke der Wehen stark verminderte.

Gabriele hat große Angst, dass auch diese Schwangerschaft wieder fehlschlagen könnte. Wegen schlechter Herztöne des Kindes drohte in der 31. Schwangerschaftswoche ein Kaiserschnitt. Sie war bereits in das Vorzimmer des Operationssaales gefahren worden, als plötzlich ein dringenderer Notfall vorgezogen wurde. Inzwischen hatten sich die Herztöne verbessert, und vom Kaiserschnitt wurde abgesehen. Wie in den folgenden Sitzungen zu sehen ist, hatte Gabriele in den Momenten des drohenden Kaiserschnittes erstmals begonnen, sich mit dem Kind intensiv zu beschäftigen und angefangen, mit ihm zu reden.

Erste Sitzung:
(im Folgenden: K = Kind, M = Mutter)

Nach Momenten der Einstimmung begibt sich Gabriele in Gedanken in den Bauch. Sie fühlt, wie er sich außen anfühlt und wie innen. Gabriele bekommt sofort Bilder und beschreibt, was sie sieht.
M.: Ich sehe, das Baby ist ein Mädchen. Ich sehe, wie das Baby in meinem Bauch sitzt und wartet und ich sehe, wie wir beide uns von Woche zu Woche kämpfen.
Das Baby lächelt. Es findet sich lustig und schelmisch, und es gefällt ihm, wie es Unruhe verbreitet. Es wartet und ist gespannt, was passieren wird.
„Hallo kleines Mädchen! 3-4 Wochen müssen wir noch aushalten und kämpfen.“
Ich kann sehen, dass es meinem Baby gut geht. Ich sehe, wie es sich freut, wenn ich mit ihm rede und wie es sich freut, wenn ich nachts meinen Bauch streichle. Mein Baby weiß, dass es geliebt und erwartet wird.
„Wenn ich rede, bewegst du Dich und freust Dich. Es ist ein schönes Gefühl, wenn ich mit Dir rede und Du Dich bewegst. Möchtest Du mir etwas sagen, Baby?“
K.: „Du brauchst Dir keine Gedanken zu machen, es geht mir gut.“
M.: „Hast Du einen Wunsch?“
K.: „Du sollst Dich weiter um mich kümmern, damit ich weiß, dass ich in guten Händen bin. Ich bin zuversichtlich, habe mehr Kraft und Mut als Du denkst, und ich sehe, wie Du kämpfst.“
M.: Es sagt, es möchte noch ein paar Wochen im Bauch aushalten. Es gibt mir den Hinweis, positiv zu denken und die Angst zu akzeptieren.
K.: „Mach Dich nicht verrückt. Ärzte und Hebammen, alle sind da. Denke positiv, sei zuversichtlich, wachsam und versuche, die Freude auf mich wieder zu erlangen.“
M.: Manchmal ist ihm der Raum zu eng, und manchmal ist genug Platz, es weiß noch nicht, wie es ihm gefällt; mal liegt es unten, mal quer. Es weiß noch nicht, wie es liegen will.
„Nachts treffen wir uns, wenn es Dir zu eng ist, auf einer Seite zu liegen, und ich mich umdrehen soll. Baby, ich lade Dich ein, Dich bequem zu legen. Und mir zu sagen, was ich für Deine Bequemlichkeit tun kann.“
K.: „Ich muss noch viel probieren.“
M.: „Willst Du mich noch ein wenig aufregen?“
K.: „Ich finde es lustig, dass alle Leute staunen und gucken. Ich habe Freiheit bis zur 37. Woche und nehme sie mir. Ich möchte mir alles ansehen und muss wissen, was es alles gibt im Bauch. Ich möchte alles miterleben und mich später erinnern, wie es war.“
M.: „Hast Du eine Botschaft an Deinen Papa?“
K.: „Ich freue mich, wenn Papa kommt und mich in die Arme nimmt. Ich weiß, dass er mich ganz lieb haben wird. Ich weiß, dass ich so geliebt werde, dass ich es kaum abwarten kann, geboren zu werden. Ich freue mich, wenn alle sagen, sieh, da ist das Baby, das so viel Theater gemacht hat; und dann wird das Theater weiter gehen.“
M.: „Ich möchte Dich bitten, noch so lange in meinem Bauch zu bleiben, dass Du nach der Geburt ganz bei mir bleiben kannst und wir nicht aus medizinischen Gründen getrennt werden müssen.“
Das Baby sagt, es versucht alles, um es bis zum normalen Geburtstermin zu schaffen, d.h. so lange, bis keine Gefahr mehr besteht. Es möchte die ganze entstandene Aufregung wieder gut machen. Es genießt, wenn alle gucken kommen und möchte auch nach der Geburt alle Liebe und Fürsorge empfangen.
M.: „Alle werden da sein und Liebe geben.“
Das Kind strampelt und freut sich.
K.: „Ja, es wird schön.“

Zweite Sitzung - 3 Wochen später:

Das Baby ist jetzt 2700 Gramm schwer. Gabriele geht es psychisch sehr gut; körperlich fühlt sie sich allerdings sehr schwer. Sie leidet unter Rückenschmerzen und Senkwehen.
M.: Es war wohl sehr psychisch bei mir; dass ich es so weit schaffe, hätte ich nie geglaubt. Mein Bauch fühlt sich sehr schwanger an. Ich spüre, dass es dem Kind innen langsam zu eng wird. Der Kopf liegt unten, und es strampelt mit den Füßen, weil es ihm zu eng ist. Innen fühlt es sich warm und kuschelig an. Das Kind weiß nicht, ob es das noch länger genießen soll, da es gleichzeitig neugierig ist, seine Eltern kennenzulernen. Es erwägt jetzt das Für und Wider.

Gabriele ermuntert das Baby, jetzt einmal herauszukommen, denn jetzt kann es noch geistig herauskommen und physisch in der Mutter bleiben. Ist es einmal geboren, kann es nicht mehr hinein.
Das Baby kommt aus dem Bauch heraus (in den inneren Bildern der Mutter) und legt sich nackt in die Arme der Mutter. Gabriele ist erstaunt, dass es nicht friert. Es schaut sich um, findet alles kalt und öde und unheimlich hier draußen und geht schnell wieder hinein in den Mutterbauch. Drinnen fühlt es sich geborgen, und es ist warm, es bekommt alles und muss sich nicht anstrengen. Der Ausflug war lange genug; lieber möchte es wieder in die gewohnte Umgebung zurück.
Gabriele sagt dem Baby, dass es jetzt immer raus und rein kann; wenn es aber geboren wird, gibt es kein Zurück mehr.
M.: „Beinahe wärst Du in der 31 .Schwangerschaftswoche durch einen Kaiserschnitt geboren worden. Warum?“
Das Baby sagt mir, es wollte gar nicht geboren werden. Es hatte einige schlechte Tage gehabt; hatte sich traurig gefühlt, da es lange allein gewesen war.
Als die Ärzte es holen wollten, hatte es “nein, nein“ gesagt. Es wollte stärker werden und hat gemerkt, dass es nur zu schaffen ist, wenn es mit mir zusammenarbeitet.
Ich habe es tatsächlich erstmals richtig wahrgenommen und im Kreissaal angefangen mit ihm zu reden. Vorher tat ich das nicht.
Jetzt, in der 37. Woche, können wir lachen, da wir zusammengehalten haben und zusammen stark und uns einig waren, dass es zu früh war.
Jetzt ist das Kind froh und möchte allein bestimmen, wann es kommt; es ist über jeden Tag froh, der verstreicht.
Es freut sich über alles, was ich ihm kaufe, über jedes Geschenk, und es weiß, dass es ihm draußen genauso gut gehen wird, wie jetzt.
Es hat lange überlegt, ob es sich mit dem Kopf nach unten legen will, und sich dann dafür entschieden.“
K.: „Es ist sehr eng und nicht so einfach, weil die Beine immer angewinkelt sind.“
Gabriele ermuntert das Baby, die Beine einmal zu strecken und sich Raum zu schaffen, da genug Raum da ist.
K.: „Jetzt strecke ich mich, und jetzt ist es o.k.“
M.: Es ist froh, dass es selbst und nicht ein Arzt den Geburtstermin bestimmen kann und dass es nicht von mir getrennt werden wird.
Es möchte sich noch Zeit vor dem ganzen Stress nehmen, als wenn es im Moment noch im Urlaub ist.
Das Baby liegt drinnen und hört zu, was ich ihm sage. Es stellt sich vor, wie es draußen sein wird; wie es bei mir trinken wird. Das gefällt ihm und gibt ihm Sicherheit.
Die Schwangerschaft war so eine schwere Zeit; im Krankenhaus zu sein und das viele Liegen. Doch im Nachhinein war es auch eine schöne Zeit. Das findet das Baby auch.“
Es wird 5 Tage vor dem errechneten Termin gesund und komplikationslos geboren.

Anmerkung: Wie bei Gabriele zu sehen ist, kann eine Frühgeburt auch vom Kind selbst ausgelöst werden.

Frühgeburt

Beatrice

Beatrice ist Diabetikerin und in der 28. Schwangerschaftswoche, als ihr Kind per Kaiserschnitt geholt werden muss. Eine lebensbedrohliche Schwangerschafts-komplikation in Form eines Krampfanfalls macht diesen Eingriff notwendig.
Beatrices Kind, die kleine Sarah, wiegt bei der Geburt 850 Gramm. Sofort kommt sie in den Brutkasten, wo sie bleiben soll, bis ihr Gewicht 2000 Gramm erreicht hat. Beatrice verbringt so viel Zeit wie möglich bei Sarah, aber sie ist unruhig.
Eine zu Besuch kommende Freundin schlägt ihr vor, eine Reise zum Kind im Brutkasten zu machen. Beatrice nimmt auf dieser Reise Kontakt zu ihrem Kind auf und erfährt, dass Sarah sich sehnlichst zurück in den Bauch wünscht. In den Bildern dieser Reise lädt Beatrice das Baby ein, zurück in den Bauch zu kommen. Im selben Moment ist Sarah wieder in der Gebärmutter und überglücklich. Sie fühlt sich nun sicher und geborgen. Die Mutter versichert ihrem Kind, dass es dort bleiben kann, bis es bereit ist, geboren zu werden.

Nach dieser Reise ist Beatrice ganz entspannt. Sie weiß, dass ihr Baby auf der Seelenebene ganz geschützt im Bauch ist. Zusätzlich hält sie körperlich viel Kontakt zu Sarah, um ihr auch auf dieser Ebene Geborgenheit und Liebe zu vermitteln. Sarahs Zustand stabilisiert sich stetig, und sie entwickelt sich prächtig.
Heute ist Sarah 2 Jahre alt und ein kräftiges, stabiles und fröhliches Kind ohne die geringsten Anzeichen einer Entwicklungsverzögerung, die sonst bei einer Frühgeburt häufig auftreten.

Gefahr der Übertragung

Sylvia

Sylvia ist bereits eine Woche über den errechneten Geburtstermin hinaus, als sie an einem Montag zur Sitzung kommt. Die Schwangerschaft verlief komplikationsfrei, und das Baby scheint wohlauf zu sein.
Sylvia freut sich sehr auf ihr Kind, doch macht es ihr ein wenig Sorgen, dass sie nun täglich zum CTG (Cardio Toco Gramm) zur Untersuchung der kindlichen Herztöne im Krankenhaus erscheinen muss und ihr angeraten wurde, in zwei weiteren Tagen die Geburt einleiten zu lassen.
Sylvia bekommt in der Sitzung sehr schnell Kontakt zum Kind. Sie kann es fühlen und sehen, auf den Arm nehmen und mit ihm reden. Sie sieht ein sehr zartes wundervolles Mädchen, das sich sehr freut, zu ihr in ihre Familie kommen zu können. Es sagt ihr, dass sie eine wundervolle Mutter sein wird und, dass es viel Zeit braucht, um in diese Welt zu kommen. Sie habe nur einen Wunsch und der ist, dass die Mutter ihr genügend Zeit dafür lasse. Alles würde gut werden, aber sie brauche Zeit und man solle sie bitte nicht drängen. Sie habe ihren eigenen Rhythmus. Je mehr sie diesen eigenen Rhythmus leben könne, um so leichter falle es ihr, sich später in den Rhythmus der äußeren Welt zu finden. Sie könne dann ihrem Rhythmus den der Welt angleichen. Dafür bitte sie um die Liebe und das Verständnis der Mutter. Auf die Frage, wann sie käme, antwortete sie: in einer Woche.

Sylvia war erleichtert nach dieser Sitzung. Sie sagte den Geburtseinleitungstermin ab, ging aber weiter zu allen Untersuchungen.
Von Freunden, die sie kannten, hörte ich, dass sie überall verkündete, sie wisse, wann das Kind komme; so könne sie diese Woche genießen, und sie wurde weiter auf Partys gesehen.
Die Tochter kam wie in der Begleitung angekündigt in der Nacht von Montag auf Dienstag der darauf folgenden Woche um 0.55 Uhr nach 23-stündiger Geburt gesund zur Welt.

Vorausgegangene Fehlgeburten

Mona

Mona ist 29 Jahre alt und in der siebten Woche schwanger. Nach drei vorhergehenden Schwangerschaften, die jeweils vor der 12. Woche zu Ende gingen, möchte sie nicht noch einmal solch eine Enttäuschung erleben.
Beim Erstgespräch stellt sich heraus, dass Mona aufgrund einer Zyste vor Jahren bereits ein Eierstock entfernt wurde. Neben ihrer Arbeit im Büro mit einem Umfang von 30 Stunden wöchentlich studiert Mona und steht gerade kurz vorm Examen.
Mona legt sich hin, schließt die Augen, bittet um höhere Unterstützung und schaut mit ihren inneren Augen in ihren Unterleib hinein. Dort, wo der eine Eierstock entfernt wurde, ist alles schwarz, traurig und schmerzhaft. Mona nimmt den entfernten Eierstock energetisch außerhalb ihres Körpers in der Aura sitzend wahr. Als sie den Eierstock anspricht, ist er voller überschwänglicher Freude, endlich wahrgenommen zu werden nach so vielen Jahren des Ausharrens. Er möchte eingeladen werden und wieder im Körper seinen alten Platz einnehmen. Mona folgt seinem Wunsch, lädt ihn ein und augenblicklich ist er im Körper energetisch vollständig integriert. Der ganze Unterleib, also Gebärmutter, Eierstock und Eileiter, reagieren mit unbändiger Freude darauf, dass sie mit dem zurückgekehrten Eierstock wieder komplett sind.
Mona sieht und fühlt ihren Unterleib jetzt in hellem, warmem Licht und spürt, wie er warm durchflutet wird. Sie empfindet ihren Unterleib nun als warm, hell und freudig. Hier kann sich das Kind jetzt einnisten, größer werden und zu einem gesunden Kind heranwachsen. Mona kommt anfangs wöchentlich, später in größeren Abständen zu einer Sitzung in emotionaler-prozess-arbeit und ist parallel in gynäkologischer Betreuung.
Nach der ersten Begleitung beendet Mona die Arbeit im Büro und kehrt während der Schwangerschaft nicht mehr dorthin zurück. „Nur“ ihr Studium schließt sie noch während der Schwangerschaft mit Prüfung und Diplomarbeit ab.
Schwangerschaft und Geburt verliefen wunderbar komplikationslos und Mona schenkte einem gesunden Mädchen das Leben.

Zwillinge

Clarissa
(in Begleitung durch die Hebamme Katrin)

Meine allererste, sehr bewegende Traumreise zu unseren Kindern beginnt so:
In meiner Lage auf dem gemütlichen Hebammenstuhl fühle ich mich wohl. Die Hebamme Katrin deckt mich mit einer leichten Decke zu. Ich schließe die Augen und beginne, mich zu entspannen, atme ein paar Mal tief ein und aus. Meine Hände ruhen links und rechts auf meinem Bauch, dort, wo ich unsere Kinder vermute. Ich bin gespannt, was mich erwartet. Ob ich wirklich in einen guten Kontakt zu ihnen kommen werde? Gleichzeitig habe ich etwas Angst davor, alles laut aussprechen zu müssen, was mir durch den Kopf geht, da ich nicht weiß, welche Gedanken mir kommen werden. Doch ich werde ruhiger und ruhiger, bin ganz im Hier und Jetzt und konzentriert auf unsere Kinder. Zu Beginn hatte Katrin mich gefragt, ob ich an etwas glaube. Ich bin gläubige Christin und Katrin erwähnte, das sei gut, denn bei einer solchen Traumreise merke man immer deutlich, dass man an etwas Höheres angebunden sei. Die Traumreise beginnt daher mit der Bitte um den Beistand und die Begleitung Gottes auf dieser Reise. Ich bin sofort sehr gerührt und die Tränen beginnen mir zu fließen. Katrin ermuntert mich, alle Gefühle, die jetzt in mir hochkommen, zu durchleben. Jede meiner Empfindungen begrüßen wir mit den Worten: „Rührung, ich begrüße Dich“, oder: „Tränen, ich begrüße Euch“. Ich muss immer mehr weinen und habe das Gefühl, ich könnte mich in einem starken Weinkrampf richtiggehend verlieren. Meine vielen Tränen verunsichern mich, ich fürchte mich vor dem, was sich da so vehement an die Oberfläche drängt.

Katrin fragt mich, ob ich wüsste, was diese Tränen mir sagen wollen. Ich wiederhole ihre Frage: „Tränen, was wollt ihr mir sagen?“ Die Antwort kommt schnell und unerwartet. Es ist die Dankbarkeit für all das Gute, das mir und uns durch Gott widerfahren ist, die mich zu Tränen rührt. Die Gnade Gottes, die mit dem menschlichen Verstand nicht zu fassen ist, rührt mich zu einem starken spirituellen Weinen an. Ich erzähle, dass ich mich in meinem Leben von Gott reich gesegnet fühle: Mit einem tollen Ehemann, mit dem ich sehr glücklich bin, meiner Familie, und nun gleich mit zwei Kindern, die in mir heranwachsen. Manchmal erscheint mir das fast zu viel des Guten.
Ich erzähle, dass ich mich in meiner Arbeit als Seelsorgerin eher um andere und deren Bedürfnisse kümmere und da ich das, was mir widerfährt, besonders auch aus diesem Grunde sehr schätze. Katrin fragt mich, ob ich das Gute, das mir widerfährt, denn annehmen könne? In diesem Moment spüre ich wieder, dass wir als Familie von Gott getragen sind. Es fühlt sich an, als ob meine Brust sich öffnet und in Form eines hellen Lichtstrahls eine direkte Verbindung zwischen mir und unserem Gott besteht. Alle Last und Sorge um die Zukunft fällt von mir ab, ich fühle mich sehr wohl und angenommen. Ich spüre, dass alles unter einem guten Segen liegt, und Gott für all das sorgen wird, wessen wir als Familie bedürfen. Ich fühle mich leicht, so als würde ich schweben, und ich bin aufgehoben im Schutz unseres Herrn, der seine warme Hand in Form einer wahren Geborgenheit um uns hält.

Katrin fragt mich, ob ich Gott etwas fragen möchte. Ich zögere etwas und sage dann, dass ich eigentlich noch fragen möchte, ob mein Mann und ich denn mit den Kindern alles gut hinbekommen werden. Doch eigentlich weiß ich, dass all meine Fragen und Sorgen bereits beantwortet wurden und dass ich mich aufgehoben wissen kann in Gottes Gnade und Fürsorge.
Nun lenkt Katrin meine Aufmerksamkeit weg von mir selbst hin zu meinen Kindern. Sie ermutigt mich, die Kinder zu begrüßen und zu fragen, wie es ihnen geht. Ich spüre, dass es beiden Kindern gut geht, sie sich in meinem Bauch so wohl und geborgen fühlen, wie ich gerade eben in der Hand unseres Gottes. Beide scheinen gesund und munter, so dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche.

Ich erzähle Katrin, dass ich von dem linksliegenden Kind eine klare Vorstellung habe. Wie bei den Ultraschalluntersuchungen sehe ich den Sohn vor meinem inneren Auge, wie er sich fröhlich bewegt, mit den Armen winkt und quietschfidel ist. Von dem anderen Kind, das auf der rechten Seite liegt, habe ich nicht so ein klares Bild. Katrin ermutigt mich, es anzusprechen und es zu fragen, ob es ihm gut geht oder ob es etwas benötigt. Ich frage also unser Kind, meine rechte Hand auf der rechten Seite ruhend: „Hallo, Du Kleiner, wie geht es Dir denn? Kann ich noch etwas Bestimmtes für Dich tun?“ Ich spüre, dass es dem Kleinen gut geht, er nur der Ruhigere unserer beiden Kinder ist. Während sein Bruder sehr aktiv ist und die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist er eher zurückhaltend, eher etwas in sich gekehrt. Auf die Frage, ob ich noch etwas für ihn tun kann, spüre ich, dass es wichtig ist, dass ich meine Aufmerksamkeit gleichmäßig auf beide Körperseiten richte und auch dem ruhigeren Kind bereits jetzt viel Beachtung schenke. Damit scheint unser ruhiges Kind sehr zufrieden.
Katrin empfiehlt, dem Kind einen Namen vorzuschlagen, den wir uns überlegt haben. Ich frage mein Kind: „Du Kleiner, da Du ja eher zurückhaltend in Deinem Wesen bist, möchtest Du vielleicht so einen kraftvollen Namen wie Theodor haben?“ Der Name Theodor steht bei uns momentan aufgrund seiner schönen Bedeutung „Geschenk Gottes“ sehr hoch im Kurs. Ich spüre jedoch keinerlei Resonanz, eher Ablehnung auf meinen Namensvorschlag und muss unter Tränen lachen: „Ich glaube, er möchte nicht Theodor heißen.“ Ich schlage ihm den anderen Namen vor, den wir uns überlegt haben und spüre, dass unser Kind mit dem Namen Elia sehr zufrieden ist.

Nun frage ich unser zweites Kind, ob wir einen Namen vorschlagen sollen, oder ob er schon selbst eine Idee hat, wie er heißen möchte. Nachdem ich erfahre, dass wir den Namen aussuchen sollen, schlage ich auch ihm den Namen Theodor vor und erhalte wieder keine positive Antwort. Nun steht es also fest: Keines unserer Kinder möchte Theodor heißen. Na, das geht ja gut los! Zwei Kinder mit einem äußerst klaren Willen schon jetzt im Mutterleib Ich schlage dem Kind den Namen Samuel vor und spüre, dass der Vorschlag gut angenommen wird. Während ich das linksliegende Kind anspreche, spüre ich zum ersten Mal auch eine deutliche Kindsbewegung. Ich freue mich sehr und bin sehr bewegt, wenn auch keineswegs überrascht, die ersten Bewegungen auf meiner linken Seite zu spüren. Ich frage die Kinder noch, woran wir erkennen können, wer wer ist, wenn sie auf die Welt kommen. Ich erfahre, dass der eher zurückhaltende Kleine selbstverständlich seinem aktiveren Bruder den Vortritt lassen und somit als zweiter auf die Welt kommen wird. Wieder muss ich lachen und zugleich vor Rührung weinen.

Auf die Frage, ob die Kinder mir noch etwas sagen möchten, erfahre ich, dass sie sich freuen, uns, ihre Eltern, kennen zu lernen. Ich bin sehr bewegt, und wieder fließen die Tränen. Ich sage ihnen, dass wir uns auch sehr auf sie freuen. Zuletzt erfahre ich noch, dass ich die Kinder gerne wieder besuchen und beim nächsten Mal auch ihr Vater dabei sein soll, damit die Kinder auch zu ihm in so einen innigen Kontakt treten können. Mit einem wundervoll erfüllten Gefühl verabschiede ich mich für dieses Mal von unseren Kindern und danke sowohl ihnen als auch unserem Gott für diese intensive und überwältigende Lebens- und Glaubenserfahrung.

Anmerkung: Es ist sinnvoll, den Vornamen zusammen mit dem Nachnamen laut auszusprechen, damit das Kind den Klang seines vollständigen Namens hört.